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Veteranenbegriff

 

Veteranen - Kameraden - Veteranen - Kameraden

In der letzten Ausgabe unserer Zeitschrift "Die Gebirgstruppe" wurde
nach einem Beitrag von Manfred Benkel unter dieser Überschrift zur
Teilnahme an der aktuellen Diskussion über den Begriff des "Veteranen"
aufgefordert.

Veteranen - Kameraden - Veteranen - Kameraden

In der letzten Ausgabe unserer Zeitschrift "Die Gebirgstruppe" wurde
nach einem Beitrag von Manfred Benkel unter dieser Überschrift zur
Teilnahme an der aktuellen Diskussion über den Begriff des "Veteranen"
aufgefordert.

Der Bundesminister der Verteidigung, Dr. Thomas de Maiziere, lehnte noch im letzten Jahr ab, einen aktuellen Begriff des Veteranen für Soldaten der Bundeswehr nur auf die Soldaten zu verengen, die an Auslandseinsätzen teilgenommen haben. Er befürchtete zu Recht eine Zweiteilung der Bundeswehr. Diese Position hat er jetzt offensichtlich aufgegeben. Denn beim Verabschiedungsappell des Afghanistan-Kontingents der Gebirgsjägerbrigade 23 am 16.Januar 2013 in Bad Reichenhall nahm er Gelegenheit, in der Debatte zum Veteranenbegriff seine aktuelle Position zu verdeutlichen und sagte: "Veteran der Bundeswehr ist, wer ehrenhaft aus dem aktiven Dienst in der Bundeswehr ausgeschieden ist und als Angehöriger der Bundeswehr im Ausland an mindestens einem Einsatz oder einer besonderen Verwendung im Rahmen von humanitären, friedenserhaltenden oder friedensschaffenden Maßnahmen teilgenommen hat. Gleiches gilt für die Teilnahme an mindestens einer Ausbildungsmission der NATO oder der EU außerhalb des NATO-Bündnisgebietes. Schließlich halte ich mir die Möglichkeit offen, den Status eines Veteranen der Bundeswehr aktiv zuzuerkennen, sollte dies angemessen und geboten sein". Zweifellos ist die grundsätzliche Absicht des Ministers,die Friedenseinsätze der Bundeswehr stärker in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stellen, zu begrüßen! Dennoch muss vor diesem Weg gewarnt werden! Die anfänglichen Bedenken des Ministers vor einer Zweiteilung der Bundeswehr bestehen weiter. Ich stimme dabei dem Präsidenten des Reservistenverbandes, Roderich Kiesewetter, zu, der in einem Schreiben vom 4. März 2012 an den Bundesminister der Verteidigung davor gewarnt hat, den Veteranenbegriff für die Bundeswehr auf dem Verordnungswege zu definieren. "Eine Definition ist immer eine Abgrenzung und damit gleichzeitig auch eine Ausgrenzung:" Jeder ehemalige Soldat, ob mit oder ohne Einsatzerfahrung, soll sich "Veteran" nennen dürfen. Ganz offensichtlich geht aber auch der Ansatz des Ministers, durch seinen Vorstoß eine breite Diskussion in den Streitkräften und in der Öffentlichkeit in Bewegung zu bringen, ins Leere. Eine Diskussion zu diesem Thema in unserer Vorstandschaft der Gebirgsjägerkameradschaft 232, auch unter Beteiligung aktiver Soldaten, führte zu der Lagefeststellung, dass die beabsichtigte Diskussion zum Thema sowohl in der Öffentlichkeit, wie auch in den Streitkräften kaum stattfindet. Das Ergebnis unserer Meinungsbildung war: Wenn es darum geht, für die Leistungen der Soldaten mehr öffentliche Anerkennung zu erreichen, dann ist der vorgesehene Ansatz des Ministers zu eng. Es muss ein viel umfassenderes Gesamtkonzept entwickelt werden, um dieses Ziel zu erreichen. Aus unserer Sicht sollte jeder Soldat der Bundeswehr nach seiner Dienstzeit Veteran sein dürfen - so , wie das auch in den anglo-amerikanischen Streitkräften gehandhabt wird. Und bitte kein Veteranentag! Noch problematischer erscheint uns die Diskussion zur Einführung eines Veteranentages oder gar eines Tages der Bundeswehr. Gedacht ist an den 22. Mai, den Tag, an dem 1949 unsere Grundgesetz in Kraft trat. Die Zielrichtung wäre, einen Tag des Innehaltens zu schaffen als Ausdruck des ehrenden Respekts vor dem Beitrag unserer Soldaten zur Erhaltung des Weltfriedens. So lobenswert das grundsätzlich ist, aber es würde unsere Gesellschaft überfordern und wahrscheinlich auch bei unseren Soldaten selbst nicht die nötige Akzeptanz finden. Es trifft zu: Unsere Soldaten, die am Balkan, in Afghanistan oder am Horn von Afrika im Dienst für die Bundesrepublik Deutschland ihre Köpfe hinhalten müssen, haben mehr öffentliches Interesse für ihren Auftrag verdient. Aber das erreicht man nicht dadurch, dass man versucht, dieses Interesse auf einen Tag zu projizieren. Dieser Auftrag unserer Soldaten hat die ständige, teilnehmende Wahrnehmung und nicht nur das "wohlwollende Desinteresse" der Öffentlichkeit verdient. Mit einem Veteranentag macht man möglicherweise alles nur noch schlimmer, denn: "Stell Dir vor es ist Veteranentag und keiner geht hin!" Noch übler aber würde es um einen Veteranentag bestellt sein, wenn vielleicht mangels anderer Öffentlichkeit ungebetenen Gäste mit Glatzen und Springerstiefeln versuchen könnten, die Gestaltungshoheit an sich zu ziehen. Herr Minister, tun Sie was für unsere Veteranen, tun Sie mehr dafür, um öffentliches Interesse am Einsatz unserer Soldaten zu wecken - aber Hände weg von einem Veteranentag!

Klaus Gerlach