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Zum Tod von Peter Struck

Am 19. Dezember starb im Alter von knapp 70 Jahren Dr. Peter Struck, Bundesminister der Verteidigung von 2002 - 2005. Nur gut 3 Jahre war er in diesem Amt, das er nie angestrebt hatte, aber doch wie kaum ein anderer ausfüllte und prägte. 

"Peter, Du musst das machen!" lautete 2002 nach dem Rücktritt von Rudolf Scharping der Auftrag von Kanzler Schröder an ihn und Peter, der Parteisoldat, gehorchte. Ich habe ihn kurz nach seiner Amtsübernahme als Kommandeur des 6. Deutschen Einsatzkontingents SFOR in Sarajevo begrüßen, einweisen und vor allem dann am Abend erleben dürfen, als er mit Hut und Sonnenbrille einen überwältigenden Auftritt als rockender "Blues Brother" im Flugzeughangar des Feldlagers Rajlovac vor rund 1500 Soldaten zelebrierte und dann das Bad unter seinen fleckgetarnten Kameraden genoss. .Die Soldaten mochten ihn - vielleicht besonders wegen seiner
raubeinigen und knorrigen Art, hinter der sich ein weicher Kern verbarg. Er war beliebt bei der Truppe wie seit Georg Leber keiner mehr! "Deutschlands
Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt!"! Dieser Satz gab bis heute Stoff für unzählige Kabarettsendungen und doch war er damals so wahr wie heute! Dieser Satz wird mit der Erinnerung an seine Person als Markenzeichen ebenso verbunden bleiben wie seine ureigensten persönlichen Attribute: Glatze, Schnauzer, Pfeife und Motorrad! Peter Struck wurde in Göttingen geboren, wuchs dort auf begann hier auch das Studium der Rechtswissenschaften, das er dann in Hamburg beendete.
Seit 1964 war er Mitglied der SPD. Von 1980- 2009 gehörte er dem Deutschen
Bundestag an. In der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder war er von 1998 -2002 und dann wieder in der großen Koalition unter Angela Merkel von 2005 - 2009 Fraktionsvorsitzender der SPD. 2008 verabschiedete er sich aus der großen Politik und wurde Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Es war wohl das Amt des Fraktionsvorsitzenden, das für ihn geradezu geschaffen schien, für Peter Struck, den Strippenzieher, der auf manche unnahbar wirkte und es doch verstand auf die Menschen zuzugehen und mit dieser Art auch eine so schwierige Fraktion wie die SPD zusammenzuhalten konnte. Denn tatsächlich war er der Typ des Kumpels, ein feiner Kerl, der auch mit dem politischen Gegner konnte. Helmut Kohl bezeichnete ihn als seinen "Lieblingssozi" und in der Zusammenarbeit in der großen Koalition entstand sogar eine echte Freundschaft mit dem Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU, Volker Kauder. Peter Struck war einer der ganz Großen, ein Stück politisches Urgestein, ein glaubwürdiger Politiker, wenn auch mit Kanten und Ecken, aber mit klaren Zielen und Prinzipien- ein Politikertyp der leider immer seltener zu finden ist!

Klaus Gerlach